Ein Jahr unter freiem HimmelKapitel Eins.
Das Outdoorstudio im Januar.
Nichts kündigte an, was sich verändern würde.
Und doch trug dieser Tag einen Anfang in sich.
Es war der 16. Januar 2020 – ein Donnerstag, der sich viel heller anfühlte als man es von einem Januartag erwarten würde.
Ich erinnere mich daran, wie ich im Solitude Park (in Basel) stand, mit all dem Material, das ich vorher vorbereitet hatte – und trotzdem ohne konkrete Vorstellung davon, was passieren würde.
Es war das erste Mal, dass ich hier mit meinen Haaren draußen malte. Und es fühlte sich an wie der Beginn von etwas, das größer ist als ich selbst.
Die Sonne war da, präsent und kraftvoll. Das Licht lag wie eine Decke über der Wiese.
Ich fühlte mich getragen – von der Wärme, der Offenheit des Himmels, der Energie des Ortes. Gleichzeitig war da auch Aufregung.
Diese besondere, gespannte Freude, die ich noch von früher kannte – als ich vor einer Eiskunstlauf-Kür auf meinen Auftritt wartete.
Nur diesmal war es mein innerer Raum, der sich öffnen sollte.
Mit Vorfreude, leicht aufgeregt
und voller Vertrauen
Ich hatte sechzehn Leinwände vorbereitet – sie lagen mit Abstand im Gras:
Zwei große Leinwände – kraftvoll, aufrecht, bereit – für die Superhelden-Serie.
Ein quadratisches Porträtformat – ruhig, gesammelt, irgendwie würdevoll.
Ein freies Format – offen für das, was dieser Tag bringen würde.
Und das Ensemble der Sternenkinder:
zwölf einzelne Teile, die zusammengehören.
Ob das Projekt funktionieren würde? Ich wusste es nicht.
Es war ein Versuch. Ein Ruf ins Feld.
Ich hatte mich bewusst für diesen Rhythmus entschieden: jeden dritten Donnerstag im Monat, im Einklang mit meinem inneren Zyklus. Für mich beginnt in dieser Woche der "innere Herbst" – eine Phase, in der ich präsent, kraftvoll und nach außen gerichtet bin. Genau richtig, um sichtbar zu werden und die Früchte des Sommers zu ernten.
Das Besondere an der Arbeit im Freien war für mich nicht nur die Weite, sondern auch das Gefühl, dass die Farbe fliegen darf.
Dass ich niemanden fragen muss, ob ich spritzen darf.
Und dass jede Bewegung sich anders anfühlt, wenn der Himmel über mir offen ist.
Ich begann am Vormittag. Sobald ich bei den Bildern stand, war ich präsent.
Ich nahm mir Zeit, jedes Format wahrzunehmen. Ich hörte hin. Nicht mit den Ohren, sondern mit dem ganzen Körper, der auf Empfang war.
Dann kam die erste Bewegung.
Und danach ging es schnell. Zum Mittag war alles gemalt. Ich war ruhig. Zufrieden.
Ich hatte mich geöffnet – so gut ich konnte. Ich hatte losgelassen.
Und das, was durch mich kam, fand seinen Weg aufs Bild.
DIE 4 SERIEN
SuperheldenDiese Serie war für mich ein Ruf. Ein Portal. Ich glaube, jeder Mensch trägt eine oder mehrere Kräfte in sich, die man als Superkräfte bezeichnen könnte. Und ich wollte diesen Raum öffnen – damit sich Kräfte zeigen, die uns unterstützen können. Manche Bilder erinnerten mich im Nachhinein an Figuren wie König Artus oder Wolverine. Andere waren reiner Ausdruck von Energie – von Mut, Zeit, Klarheit. Die Serie ist im Lauf des Jahres weitergewachsen. Manche Bilder passen nahtlos aneinander, als wären sie Teile eines größeren Ganzen.
PorträtformatIch nannte es Porträt, weil ich das Gefühl hatte, jemandem oder etwas zu begegnen. Einen Tag nach dem ersten Outdoorstudio fiel mir auf, dass sich die Geste dieses ersten Portraitbildes exakt aus einem Werk fortsetzte, das ich 2015 gemalt hatte. Das hat mich tief berührt – und gleichzeitig auch verwirrt. Wie konnte das sein? Es fühlte sich an, als würde etwas Größeres durch mich hindurcharbeiten. Als wäre ich Teil eines größeren Bildes, das ich selbst nicht überblicke.
Freies FormatHier ging es mir um Offenheit. Um das, was sich zeigen will. Ohne Absicht. Ohne Idee. Nur in Resonanz mit dem Moment. Dieses Bild wurde für mich ein Seismograf für die Energie des Monats. Es hatte immer eine besondere Stimmung.
SternenkinderZwölf Bilder, die zusammengehören. Ich nannte sie Sternenkinder, weil ich an Verbindung dachte. An Gemeinschaft. An einzelne Teile, die verteilt sind, aber miteinander verbunden bleiben. Wie Sterne am Himmel. Später wurde ich darauf hingewiesen, dass der Begriff auch etwas anderes bedeuten kann – das wusste ich nicht. Für mich stehen die Sternenkinder für das Leuchten. Für die Idee, dass Menschen sich über diese Bilder finden. Und dass sich – vielleicht eines Tages – alle Teile wiederfinden.
NachklangNach dem Malen kam Stille. Erst war ich einfach nur zufrieden. Aber als die Bilder zu trocknen begannen, spürte ich: da bewegt sich noch etwas.
In den Bildern – und in mir.
Es war, als würden sich die Werke energetisch aufladen. Und ich entladen. Ich war müde. Leer. Durchlässig. Und für ein paar Stunden wollte ich einfach nichts. Ich legte mich hin, schaute einen Film, schrieb viel in mein Journal, lauschte, tat “nichts”.Und das war genau richtig.
Ein paar Tage später kam die Erkenntnis: das erste Bild des Zyklus war kein Neubeginn. Es war eine Fortsetzung. Und das brachte mein Denken durcheinander.
Ich begann zu ahnen, dass ich nicht „einfach so“ male. Dass es einen Raum gibt, eine Art energetisches Archiv, aus dem ich Ausschnitte hole. Manchmal zeigen sich diese Ausschnitte in mehreren Bildern. Manchmal über Jahre hinweg. Das zu begreifen war nicht leicht. Aber es hat mir gezeigt, wie geführt dieser Weg ist.
Und wie groß die Bilder wirklich sind.Der Januar war ein Anfang. Ein ehrlicher, offener Versuch. Ohne Gewissheit – aber mit Vertrauen.
Und das Outdoor Studio geht weiter. Monat für Monat. Bild für Bild.
Impressionenvom ersten Outdoor-Studios 2020 am 16. Januar
im Solitude-Park in Basel.
Mit Bang Painting veredelt
BangPainting – Kunst
aus dem Augenblick,
roh, intensiv, einzigartig.
BangPainting entsteht in einem einzigen, unwiederholbaren Augenblick. Die Farbe wird mit Energie und voller Intensität auf die Leinwand geschleudert – ein Akt zwischen Explosion und Hingabe. Jeder „Bang“ ist ein Ereignis: unberechenbar, unmittelbar und doch von mir gelenkt.
So wird der Entstehungsprozess selbst zur Performance. Ein Spiel von Kraft, Zufall und Kontrolle, das sich nicht wiederholen lässt. Genau dieser Augenblick schreibt sich ein in die Leinwand und macht jedes Werk zu einem unwiderruflichen Unikat – lebendig wie ein Abdruck der Zeit.